Präsentismus verursacht höhere Kosten als Abwesenheit

Hohe Eigenverantwortlichkeit der Arbeitnehmer führt dazu, dass trotz krankheitswertiger Belastung weitergearbeitet wird. Rund ein Drittel der Arbeitnehmer geht einer Befragung des Wissenschaftlichen Instituts zufolge auch gegen den ausdrücklichen Rat des Arztes zur Arbeit. Präsentismus bei einem eher schlechten Gesundheitszustand erhöht langfristig das Risiko zum Beispiel von Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich. Zwei breit angelegte Studien weisen zudem auf einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Präsentismus und (späterer) Langzeit-Arbeitsunfähigkeit hin.

Wenn man die Kosten von Präsentismus betrachtet, bedeutet für die Unternehmen der Rückgang der Fehltage keinen Nutzen, sondern sogar ein hoher Schaden. Alle bislang vorliegenden Erkenntnisse aus dem In- und Ausland lassen laut BAuA daher den Schluss zu, dass die Präsentismuskosten letztlich deutlich höher sind als die Kosten für krankheitsbedingte Fehlzeiten. Eine Studie der amerikanischen Cornell University verzeichnet dreimal höhere Produktivitätsverluste durch kranke Mitarbeiter am Arbeitsplatz als die Verluste durch krankgeschriebene Kollegen. Laut dieser Studie kostet die US-Unternehmen der Produktivitätsverlust rund 180 Milliarden Dollar im Jahr.

Eine Studie der Unternehmensberatung Booz & Company für die Felix-Burda-Stiftung geht noch weit über diese Kostenschätzungen hinaus: Demnach belaufen sich die durchschnittlichen Kosten, die deutschen Unternehmen durch krankheitsbedingte Fehlzeiten entstehen, auf 1199 Euro pro Jahr und Mitarbeiter. Demgegenüber belaufen sich die Präsentismuskosten auf nicht weniger als 2399 Euro und sind somit doppelt so hoch.

Deshalb sollte bei den Mitarbeitern die Sensibilität für ihre eigene Gesundheit durch spezielle Maßnahmen und Programme gesteigert werden, möglichst im Rahmen einer persönlichen Förderung und regelmässiger Überprüfung des Stresslevels. Im Sinne der Erhaltung des kostbaren Humankapitals ist diese eine sehr sinnvolle Investition.

 

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