Regulationsprozesse

Regulation ist die Grundlage aller Lebensprozesse.

Selbstregulation ist jedoch keine statische, lineare Reiz-Reaktions-Beziehung, sondern unterliegt natürlichen Schwankungen. Diese Fähigkeit zu natürlichen Schwankungen ist wichtig, damit sich der Organismus flexibel auf wechselnde Situationen und Anforderungen einstellen kann.

Wir Menschen synchronisieren mit unserer Umwelt. Das heißt, sowohl natürliche und flexible als auch starre Umweltrhythmen haben Auswirkungen auf die Flexibilität unseres Organismus´.

Regulation
Schema der psychobiologischen Regulation

Die meisten physiologischen und psychologischen Störungen sind durch Störungen jener biologischen Rhythmen bedingt oder begleitet, die im gesunden Menschen für die optimierende Selbstregulation der beteiligten Vorgänge sorgen.

Schon Rudolf Virchow erkannte im 19. Jahrhundert, dass wir krank werden können, wenn unser Organismus seine flexible, ausgleichende Regulationsfähigkeit einbüßt: "Krankheit [beginnt] in dem Augenblick, wo die regulatorische Einrichtung des Körpers nicht ausreicht, die Störungen zu beseitigen. Nicht das Leben unter abnormen Bedingungen, nicht die Störung als solche erzeugt Krankheit, sondern die Krankheit beginnt mit der Insuffizienz der regulatorischen Apparate". 

Periodisches System der Regulationszustände

In einer Reihe von human- und tierexperimentellen Studien konnten Balzer & Hecht eine Vielzahl von Regulationszuständen bei verschiedensten physiologischen Parametern und Verhaltensparametern nachweisen. Die logische Zusammenfassung dieser experimentell nachgewiesenen Regulationszustände mündete 1999 in der Darstellung des „Periodischen Systems der Regulationszustände“:

PSR

Periodisches System der Regulationszustände nach Balzer & Hecht

Die Regulationszustände wurden der Übersichtlichkeit halber nummeriert. Die linke Seite des Schemas stellt die möglichen Deaktivierungszustände dar, die rechte Seite die Aktivierungszustände. Ein "gesundes" biologisches System ist adaptiv. Die Regulationsqualität ändert sich von sehr gut, d.h. adaptiv (Reihe 02-06 und Reihe 11-17) – über die Konzentration von Regelprozessen (Reihe 22-26) hin zu starren Regelvorgängen (Reihe 31-37).

Bis zu dieser Regulationsqualität steigt auch die Wahrscheinlichkeit des Auftretens dieser Regulationszustände an, um danach, ab Reihe 42-46 wieder abzunehmen, bis am Ende, nach Reihe 84, bezogen auf den untersuchten Prozess, kein periodischer Vorgang mehr existiert. Sollten die Regelvorgänge aller Prozesse diesen Zustand erreicht haben, existiert kein organisches Leben mehr.

Unter chronischem Stress weist das Regulationssystem vorwiegend schnelle Regulationsvorgänge auf. (Zustand 17). Bei Formen der Tiefenentspannung, wie Meditation, Yoga, Hypnose oder Trance treten Regulationsvorgänge mit vorwiegend langen Periodendauern auf (Zustand 11). Bei Verkrampfungen treten zuerst stabile regulatorische Vorgänge mit kurzer Periodendauer auf (Zustand 37). Wird das System in diesem Zustand weiter beansprucht, so zeigt vor allem die Sympathikusfunktion ein Sprungverhalten. I.P. Pavlov bezeichnete den Sprung eines hochgradig beanspruchten Systems in ein tiefenentspanntes System als Überlastungshemmung (Sprung von Zustand 37 in Zustand 31).

Im Zustand 31 findet in der Regel eine kurzzeitige tiefe Entspannung statt. Sowohl im aktivierten starren Zustand 37 als auch im deaktivierten starren Zustand 31 ist das adaptive Verhalten stark eingeschränkt. Jedoch kann das System nach Abklingen dieser Deaktivierungsphase wieder normal beansprucht werden. Die Überlastungshemmung ist somit eine Schutzfunktion des Hirns gegen Überbeanspruchung. Sollte ein System, das sich im hochgradig aktivierten Zustand 37 befindet, jedoch nicht der Überlastungshemmung folgen, so kommt es zur Desynchronose, d. h. der vorhandene starre Regulationsvorgang zerfällt in mehrere zeitgleich auftretende Regulationsprozesse mit unterschiedlichen Periodendauern. Ist letztendlich nicht genügend Stoffwechselenergie vorhanden, um diesen Prozess aufzuhalten, kommt es, über ein bestimmtes Zeitintervall betrachtet, zu einer Gleichverteilung (Zustände 51-57) der existierenden Perioden der Regelvorgänge. D.h. zeitweilig ist das System schnell reguliert, dann zufällig langsam, dann wieder mittelschnell usw. in chaotischer Folge. Diese messbaren physiologischen Phänomene korrelieren mit typischen Verhaltensmustern. Bei weiterer Erniedrigung der kompensatorischen Möglichkeiten des Systems kommt es zu Ausfällen regulatorischer Prozesse (Zustände 61-67). Letztendlich bleiben nur noch einige wenige Regulationsvorgänge mit geringer Auftrittswahrscheinlichkeit übrig (Reihen 72-86).       

Aufgabe der Regulationsdiagnostik ist es, festzustellen welches regulatorische System (z.B. das Herz-Kreislaufsystem, das muskuläre System, das Temperaturregelsystem usw.) sich wann in welchem Zustand befindet. Daraus lassen sich die von R. Virchow postulierten regulatorischen Störungen, sowie entsprechende therapeutische Maßnahmen zu ihrer Beseitigung ableiten.

In  musikmedizinischen Grundlagenstudien konnte nachgewiesen werden, dass sich physiologische Parameter unter der Einwirkung von Musik verändern und es in Folge zu einer Synchronisation von Mensch und Musik kommen kann.

 

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