Fakten

Deutschland

Im Jahr 2007 lagen psychische Störungen mit 9,3% aller Arbeitsunfähigkeitstage auf Platz 4 der wichtigsten Krankheitsgruppen. Von den Arbeitsunfähigkeitsfällen 2007 entfielen 3,9% auf psychische Störungen. Das bedeutet, dass trotz eines insgesamt rückläufigen Krankenstandes die psychische Störungen in den letzten Jahren zugenommen haben.

Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) hat die Angaben der großen gesetzlichen Krankenkassen zu Arbeitsunfähigkeit, psychischen Erkrankungen und Burnout ausgewertet. Dabei zeigt sich, dass die Anzahl der Krankschreibungen aufgrund eines Burnout (Z73 im ICD-10-GM) seit 2004 um 700 Prozent, die Anzahl der betrieblichen Fehltage sogar um fast 1.400 Prozent gestiegen ist. Diese Zunahme fällt damit deutlich größer aus als die Zunahme von betrieblichen Fehltagen aufgrund psychischer Erkrankungen (insgesamt).

(Quelle: BPtK-Studie zur Arbeitsunfähigkeit 2012)

 

Österreich

Der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) hat 2007/2008 gemeinsam mit den Business-Doctors und Karmasin Motivforschung eine Online-Umfrage zum Thema „Burnout“ durchgeführt. Die Ergebnisse der Studie finden Sie auf www.gesundearbeit.at.

Die wichtigsten Erkenntnisse:

  • Burnout beschränkt sich nicht auf Gesundheits- und Sozialberufe, sondern betrifft genauso auch MitarbeiterInnen in der IT-Branche, in der Produktion, von Versicherungen, im Handel usw.
  • Burnout-gefährdete Personen sind deutlich häufiger krank. 37 Prozent der Burnout-Gefährdeten waren im vergangenen Jahr mehr als 20 Tage im Krankenstand – im Vergleich dazu traf dies nur bei elf Prozent der Nicht-Gefährdeten zu.
  • Schichtdienst erhöht das Burnout-Risiko gravierend! Jede(r) dritte SchichtarbeiterIn ist burnout-gefährdet. Genauso führen Arbeitszeiten, die sich sehr kurzfristig ändern, zu einem erhöhten Burnout-Risiko.
  • Wichtige Schutzfaktoren, die das Burnout-Risiko verringern können, sind: ein hohes Maß an Selbstbestimmung, Erfolgserlebnisse, Wertschätzung der Leistung sowie abwechslungsreiche und interessante Arbeit.

Diese Ergebnisse decken sich mit anderen wissenschaftlichen Untersuchungen, wie sie beispielsweise in Deutschland durchgeführt wurden.

Mehr Informationen (pdf download): Die Wahrheit über Burnout? Zahlen, Daten, Fakten aus validen und reliablen Quellen in Österreich Quelle & Copyright: Mag. Bernd Bruckmann, Masterarbeit, Wien 2012. Mit freundlicher Genehmigung.

 

Europa

In der EU erkrankt fast jeder Zweite während seines Lebens an einer psychischen Störung. In der Altersgruppe der 18- bis 65-jährigen Europäer liegt der Anteil der Betroffenen nach konservativen Schätzungen bei 27 Prozent pro Jahr.

Die Versorgungssituation in Europa ist mangelhaft: Gerade einmal 26 Prozent der betroffenen Europäer erhalten irgendeine Form von professioneller Behandlung.

Hat die Häufigkeit psychischer Störungen tatsächlich epidemisch zugenommen? Eine eindeutige Antwort auf diese Frage gibt es zum momentanen Zeitpunkt nicht. Eine ganze Reihe von Indizien weist aber darauf hin, dass es sich um einen tatsächlichen Anstieg der Krankheitsfälle handelt: Der Fachliteratur zufolge gibt es Hinweise darauf, dass einzelne Störungsbilder, vor allem Depressionen und Suchtproblematiken, in den letzten Jahren tatsächlich zugenommen haben.Dabei tauchen in den Statistiken zur Arbeitsunfähigkeit beispielsweise Kurzzeitarbeitsunfähigkeiten mit einer Dauer von bis zu drei Tagen, insofern für diese keine Bescheinigung notwendig ist, gar nicht auf.

 

Keine Kür, sondern Pflicht!

Die berichteten Zahlen und Fakten verdeutlichen, wie die Anforderungen, welche die moderne Arbeitswelt an den Einzelnen stellt, zunehmend mehr Beschäftigte an die Grenzen ihrer Bewältigungsfähigkeit stoßen lassen.

Psychische Störungen sind daher nicht nur ein unternehmensinternes Thema, sondern ein Thema von gesellschaftlicher wie auch politischer Relevanz.

Die Reduktion der Häufigkeit von Depressionen, Angststörungen und anderen psychischen Gesundheitsstörungen zählt nicht nur auf nationaler, sondern auch auf europäischer Ebene zu den dringlichsten Gesundheitszielen.

Betriebliches Engagement zur Prävention und Reduktion arbeitsbedingter psychischer Fehlbelastungen und Störungen ist daher nicht nur wünschenswert. Es ist viel mehr als das: nämlich ausdrücklich gefordert – und nicht zuletzt dringend notwendig, wollen Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit auch zukünftig erhalten.

 

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